"Книги - это корабли мысли, странствующие по волнам времени и
  бережно несущие свой драгоценный груз от поколения к поколению"

(Фрэнсис Бэкон)


Riemann Hugo
«Geschichte der Musik seit Beetchoven (1800-1900)»
Vorwort

Die gangbaren Handbücher der Musikgeschichte reichen entweder überhaupt nicht bis in die neueste Zeit oder behandeln doch dieselbe nur ganz skizzen= und lückenhasft; nurindenBiographien jüngst verstorbener oder in Charakteristiken noch lebender Tonkünstler liegen Darstellungen der Musikverhältnisse der Gegenwart vor, aber zumeist unter einem Gesichtswinkel, der auf allgemeine Gültigkeit keinen Anspruch machen kann: die Musikwelt geschaut durch die Augen des Tonkünstlers, dem die betressende Monographie gewidmet ist. Der Bersuch einer gedrängten Darstellung des leßten Jahrhunderts Musikgeschichte darf daher eines gewissen Interesses gewärtig sein, und ohne Zweifel wird der vorliegende Abriß nur einer von vielen werden, welchen die Jahrhundertwende bringt.

Die Stellung des Berfassers zu den bewegenden kunstästhetischen Fragen ist durch seine anderweiten Publikationen hinlänglich bekannt, sodaß das Buch weder besondere Ueberraschungen bereiten noch stärkere Aufregungen verursachen wird. Das Bestreben des Berfassers war, sich hier wie in seinem Musiklexikon einen Standpunkt möglichst außerhalb des Parteigetriebes zu wahren, und sich, soweit das mit gutem Willen zu erreichen ist, nicht durch den vergänglichen Glanz neuer Wirkungen blenden zu lassen. Daß eine solche Absicht für alle Geschichtsschreibung erstes Gebot ist, versteht sich freilich von selbst; ob oder inwieweit diese Absicht erreicht wurde, kann freilich erst die weiter fortschreitende Zeit lehren. Jedenfalls hofft der Berfasser für sein bestes Wollen auf, einigen Dank rechnen zu dürfen.

Eine übersichtliche Gruppierung des überreichen Stoffes war nur zu ermöglichen durch Hinstellung einer beschränkten Anzahl mehr im Detail ausgeführter Hauptbilder, um melche sich die notwendigerweise nur skizzenhaft angedeuteten Nebenfiguren ordnen. Auch so blieben doch einige ergänzende Nachlesen unerläßlich, für welche durch Zusammenfassung nach der befonderen Richtung der Leistungen und zuleßt auch nach Ländern oder Städten eine weltere Bildung von übersichtlichen Gruppen wenigstens angestrebt wurde. Der Wunsch, einesteils eine lesbare, lebendige Darstellung der Entwickelung der leitenden künstlerischen Ideen und des gesamten praktsichen Musiklebens des Jahrhunderts zu geben, anderseits ein brauchbares Hand= und Nachschlagebuch zu schassen, zwang den Berfasser wiederholt, zeitlich zusammengehöriges im Buche auseinanderzurücken; doch werden die ausführlichen Register am Ende des Buches (Personal= und Sachregister) zur Ausfüllung scheinbarer Lücken die Wege weisen.

Für die Darstellung des Thatsächlichen ist jede allgemeine Geschichtsschreibung in erstes Linie auf die Spezial= und Borarbeiten der Biographen und auf Monographien aller Art angeweisen; es bedarf nicht der Anführung von Namen an dieser Stelle, da aus den Citaten im Text sattsam hervorgeht, wem der Berfasser in dieser Hinsicht Dank schuldet. Daß es sich aber in dem vorliegenden Buchen nicht nur um eine kompilatorische Arbeit handelt, sondern zugleich um den Bersuch einer Sichtung und Klärung einander widersprechender Ansichten, sowie um die bestimmte Geltendmachung und Motivierung eigener Urteile, hie und da auch um die Bekanntmachung von Ergebnissen eigener Forschung, sei in aller Bescheidenheit angemerkt; doch hielt es der Berfasser nicht für angebracht, die Fragen, mit denen seine theoretischen Schriften sich eingehender beschäftigen, auch hier ausführlich zu erörtern.

Möge das Buch, so wie es nun geworden ist, mithelfen, das Banner ernster und erhebender Kunst hochzuhalten!

Leipzig, Ende Oktober 1900.
Dr. Hugo Riemann.


 
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